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Ein Mann beim Laufen als Symbol dafür, wie biobasierte Materialien Performance im Sport neu definieren.

Material Matters: Wie biobasierte Materialien die Performance im Sport neu definieren

Heute sind natürliche und biobasierte Materialien längst mehr als nur stille Mitläufer. Sie bestimmen, wie gut Produkte wirklich performen, wie schnell neue Ideen vom Prototyp zur Serie kommen und wie glaubwürdig Marken langfristig wahrgenommen werden. Materialentscheidungen machen heute den Unterschied – zwischen leeren Leistungsversprechen und echtem Mehrwert, zwischen Experiment und Marktreife, zwischen ehrlicher Nachhaltigkeit und bloßem Marketing.

Dieser Wandel vollzieht sich in großem Maßstab. Der globale Markt für nachhaltige und umweltbewusste Sportbekleidung und Athleisure hat bereits die Marke von 100 Mrd. USD überschritten und wird in den nächsten fünf Jahren voraussichtlich mit einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von fast 9 % wachsen.

Was sich verändert, ist nicht nur die Chemie. Es ist die Art, wie Sportmarken über Risiko, Resilienz und Wettbewerbsvorteile nachdenken. Materialien sind vom einzelnen Bestandteil zur strategischen Infrastruktur geworden. Auf der ISPO 2025 erklärten Expert:innen, warum sie sich zu einem der wirkungsvollsten Hebel in der Sportbranche entwickeln.

Warum der nächste Performance-Sprung bei biobasierten Materialien beginnt

Hohe Performance oder verantwortungsvolle Materialien? Genau dieser Konflikt hat Designentscheidungen über Jahre hinweg bestimmt. Dieses Denken löst sich gerade auf, nicht wegen Marketingdruck, sondern weil die Materialforschung inzwischen auf einem ganz neuen Level angekommen ist.

Dr. Li Xueqing von Zhejiang Huanlong New Material and Technology, einem der weltweit größten Hersteller von Folien aus thermoplastischem Polyurethan (TPU), beschreibt die Realität beim Vergleich von biobasiertem und erdölbasiertem TPU:

„Mit Biomaterialien können wir wirklich gut verarbeitbare TPU-Filme mit einem Bio-Anteil von 52 Prozent herstellen, und die Performance kann es durchaus mit dem erdölbasierten Produkt aufnehmen.“

Ein Mann hält einen Schuh und zeigt dessen Sohle.
Credit: Haithem Ferdi/Unplash.com
Thermoplastisches Polyurethan wird in der Sportbranche vielseitig eingesetzt, etwa für flexible und langlebige Komponenten wie Performance-Textilien, Schuhsohlen, Schutzpolster oder elastische, wasserdichte Beschichtungen.

Sobald biobasierte Materialien die wichtigsten Performance-Checks bestehen – von Wasserdichtigkeit über Elastizität bis hin zu Abriebfestigkeit und Haltbarkeit – verändert sich das Gespräch. Dann lautet die Frage nicht mehr, ob sie performen, sondern wie schnell Marken sie in reale Produkte und Systeme bringen können.

Für Führungsteams hat dieser Wandel klare strategische Folgen. Materialentscheidungen legen Marken langfristig auf bestimmte Wege fest. Investitionen in Maschinen, Lieferantenbeziehungen, Zertifizierungen und Produktarchitekturen hängen direkt davon ab. Eine falsche Entscheidung kann Innovationen Jahre später ausbremsen. Eine kluge hält zukünftige Optionen offen.

Von der Idee zur Realität: Biobasierte Performance skaliert

Biobasierte Innovation steckt längst nicht mehr nur in Konzeptprodukten oder kleinen Nachhaltigkeitskapseln. Sie findet ihren Weg in echte Performance-Kategorien, in denen Fehler keine Option sind. Bei Huanlong erreichen biobasierte TPU-Filme bereits über 50 Prozent erneuerbaren Anteil, basierend auf Rohstoffen wie Mais oder Rizinusöl und bestätigt durch Carbon-14-Tests. Wie Dr. Li Xueqing erklärt:

„Die Kunden sind damit zufrieden, und es kann tatsächlich in vielen Anwendungen eingesetzt werden. Damit kann es erdölbasierte Filme bereits ersetzen. Es ist wasserdicht, daher ist das Wasserdampfdurchlässigkeitsverhalten nicht gut.“

Verifizierung ist entscheidend. Sie ermöglicht es Marken, Aussagen mit belastbaren Daten statt mit Annahmen zu untermauern. In Performance-Bekleidung, Schuhkomponenten und Outdoor-Ausrüstung liefern diese Materialien inzwischen genau die Funktionalität, die Designer erwarten.

Diese Verschiebung wird durch breitere Marktsignale verstärkt. Der globale Markt für biobasierte Textilien – der bereits auf fast 50 Milliarden USD geschätzt wird – wird sich in den nächsten zehn Jahren voraussichtlich mehr als verdoppeln.

Sport- und Outdoor-Einsätze setzen Materialien Schweiß, häufigem Waschen, extremen Temperaturen und mechanischer Belastung aus. Wenn Materialien unter diesen Bedingungen bestehen, ist das ein klares Signal: Biobasierte Materialien sind kein Experiment mehr, sondern auf höchstem Performance-Niveau einsatzfähig.

Warum Skalierbarkeit der eigentliche Engpass ist

Wenn Performance kein echtes Hindernis mehr ist, rückt die Skalierung in den Fokus. Viele natürliche und biobasierte Materialien funktionieren bereits unter kontrollierten Bedingungen, doch nur wenige lassen sich in den Mengen produzieren, die globale Sportmarken brauchen. Die eigentliche Herausforderung liegt dabei nicht nur in der Chemie, sondern genau an der Schnittstelle zwischen Forschung und operativer Umsetzung.

Biobasierte Materialien hängen von langen, eng verzahnten Wertschöpfungsketten ab – von landwirtschaftlichen Rohstoffen über chemische Umwandlung und gleichbleibende Polymerqualität bis hin zu industrieller Verarbeitung, Zertifizierung und Maschinenkompatibilität. Reißt nur ein Glied dieser Kette, gerät die Skalierung sofort ins Wanken.

Kosten machen den Umstieg zusätzlich komplex. Biobasierte Polymere und natürliche Alternativen sind bei kleinen und mittleren Produktionsmengen oft noch deutlich teurer, getrieben durch schwankende Rohstoffpreise, spezialisierte Prozesse und aufwendige Zertifizierungen.

Diese Aufschläge schrumpfen meist erst dann, wenn langfristige Nachfrage, stabile Lieferverträge und verlässliche Produktionsprozesse gesichert sind. Die zentrale Erkenntnis für Entscheider ist simpel: Skalierbarkeit darf kein Nachgedanke sein. Wird sie nicht von Anfang an in die Materialentscheidung eingebaut, bleibt Innovation im Pilotmodus stecken, egal wie vielversprechend das Material wirkt.

Zusammenarbeit als Performance-Booster

Wenn Skalierung der Engpass ist, dann ist Zusammenarbeit der Schlüssel. Keine einzelne Marke und kein Lieferant kontrolliert die komplette Material-Wertschöpfungskette. Fortschritt entsteht heute durch gemeinsame Systeme statt durch isolierte Durchbrüche. Aus Sicht der Lieferanten bringt es Dr. Li Xueqing direkt auf den Punkt:

„Wir müssen mit unseren vorgelagerten Lieferanten und nachgelagerten Kunden zusammenarbeiten, um die richtigen Anwendungen zu finden, die Moleküle entsprechend zu entwickeln und sie in die Realität umzusetzen.“

Diese Art der Zusammenarbeit hat nichts mit reinen Markenallianzen zu tun. Es geht um operatives Vertrauen. Wenn Partner frühzeitig Daten teilen und offen mit Grenzen umgehen, können Marken Produkt-Roadmaps entwickeln, die mehr als nur eine Saison überstehen.

In diesem Kontext wird Zusammenarbeit selbst zum Performance-Treiber. Sie reduziert Unsicherheit, verteilt Risiken und macht Skalierung überhaupt erst möglich. Für Sportunternehmen ist sie längst keine Option mehr, sondern der Weg, wie Materialinnovationen wiederholbar, skalierbar und wirtschaftlich tragfähig werden.

Materialien als langfristige Geschäftsentscheidungen

Materialentscheidungen wirken weit über reine Produktspezifikationen hinaus. Sie beeinflussen Logistikaufwand, Beschaffungsrisiken, Zertifizierungskosten und sogar die regulatorische Angriffsfläche einer Marke.

Auch wenn konventionelle synthetische Fasern die globale Produktion weiterhin dominieren, verschieben Regulierung, Markenverpflichtungen und Verbrauchererwartungen die Nachfrage zunehmend in Richtung schadstoffärmerer Alternativen. Marken, die früh einsteigen, gewinnen dabei etwas Wertvolleres als kurzfristige Kostenvorteile: Lernkurven.

Sie lernen, wo Kostenkurven abflachen, wo Schwachstellen entstehen und welche Lieferanten wirklich skalieren können. Dieses gesammelte Wissen wird zu einem Wettbewerbsvorteil, der sich kaum kopieren lässt. Der eigentliche Gewinn ist dabei nicht nur geringere Umweltwirkung, sondern vor allem weniger Unsicherheit.

Was das jetzt für Sportmarken bedeutet

Der aktuelle Wandel dreht sich nicht darum, ein Material einfach durch ein anderes zu ersetzen. Es geht darum, neu zu definieren, wie Performance-Innovation überhaupt funktioniert.

Drei zentrale Erkenntnisse stechen hervor:

  1. Materialwahl ist Strategie
  2. Skalierung muss gestaltet werden, nicht erhofft
  3. Zusammenarbeit ist der neue Performance-Multiplikator

Daraus ergeben sich klare Handlungsschritte:

  • Materialien in die langfristige Strategie einbinden
  • Wechsel von Pilotprojekten zu Lernportfolios
  • Frühzeitig Partnerschaften aufbauen
  • Design für Materialflexibilität
  • Abstimmung der Teams für Innovation, Beschaffung und Nachhaltigkeit

Was das jetzt für Sportmarken bedeutet

Sport- und Outdoor-Marken bewegen sich an einem einzigartigen Schnittpunkt aus extremen Performance-Anforderungen, sichtbaren Markenstories und hoch engagierten Nutzerinnen und Nutzern.

Wenn Materialien sich unter diesen Bedingungen bewähren, gewinnen sie Glaubwürdigkeit weit über den Sport hinaus. Biobasierte Materialien definieren Performance nicht neu, weil sie „grüner“ sind, sondern weil sie Marken dazu zwingen, smartere, widerstandsfähigere und transparentere Systeme aufzubauen.

Und genau das wird zunehmend als echte Performance verstanden.

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